Weniger Liquidität = mehr Volatilität

Marktkommentar, Januar 2019

Weniger Liquidität = mehr Volatilität

Die seit Jahresbeginn wieder deutlich gesunkene Volatilität zeigt eine gewisse Sorglosigkeit der Finanzmärkte, denn die erwartete Volatilität liegt inzwischen auch weit unter den historischen Durchschnitten. Auch der inzwischen überdurchschnittliche Anstieg der Aktienmärkte seit Jahresanfang zeigt einen ausgeprägten Marktoptimismus. Dies obwohl die US-Zinskurven zunehmend invers werden. Zwar bedeutet dies nicht unbedingt, dass alle Aktienmärkte nächstens fallen müssen, aber eine höhere Gewichtung von weniger volatilen Aktien (sogenannter MinVol-Aktien) zulasten von solchen mit mehr Volatilität macht jetzt Sinn. Ein klarer Anstieg der Volatilität der Aktienmärkte in den kommenden Monaten würde uns nicht überraschen, sind doch bisher keine Anzeichen für weniger Konjunkturabschwächung auszumachen. Die US-Zinskurveninversion bestärkt uns darin. 

Die Finanzmärkte haben seit Jahresanfang deutlich zugelegt. Besonders Aktien sind historisch weit überdurchschnittlich angestiegen. Dies aufgrund der Hoffnung, dass die Konjunkturabschwächung, die weltweit sichtbar ist, bald einer klaren Stärkephase Platz macht. Aber die meisten vorlaufenden Konjunkturindikatoren weisen global unverändert auf ein sich abschwächendes Wirtschaftswachstum hin. Auch die Zinskurven deuten auf fortgesetzte Risiken von Seiten der Weltwirtschaft. Daher müsste eigentlich die von den Finanzmärkten erwartete Volatilität d. h. Schwankung der Märkte nicht auf derart tiefen Niveaus liegen. Doch die «eingepreiste» bzw. antizipierte Volatilität ist sowohl in den Währungsmärkten, den Anleihemärkten und besonders in den Aktienmärkten weit unter ihre historischen Durchschnitte gefallen.

Wir wären daher nicht überrascht, wenn die Marktvolatilität wieder ansteigt und sind der Meinung, dass es sinnvoll ist, sich darauf vorzubereiten. Eine Möglichkeit ist, zunehmend Aktien von geringerer Volatilität (Schwankungsbreite) innerhalb der Aktienengagements einzusetzen. Diese Aktien weisen auch eine geringere Marktsensitivität, also ein Beta unter 1, auf. 

Zum Beispiel hat der von MSCI berechnete Minimum Volatilitäts-Weltaktienindex, der Aktien mit geringerer (minimerer) Volatilität beinhaltet, gegenüber dem MSCI Weltaktienindex nur ein Beta von rund 0,65. Der generelle Weltaktienindex hat natürlich ein Beta von 1 (Sensitivität von 100 % zum allgemeinen Aktienmarkt), hingegen hat zum Beispiel der Nasdaq-Biotechnologieindex ein Beta von rund 1,3 gegenüber dem Weltaktienindex. Da uns ein Anstieg der Volatilität der Aktienmärkte und daher auch des Weltaktienindex nicht überraschen würde, hat unser Anlageausschuss kürzlich beschlossen, den sogenannten MinVol-Weltaktienindex mittels eines ETF in den Portfolios einzusetzen, also globale Aktien mit geringerer Volatilität und mit tieferer Marktsensitivität.

«Aktien mit minimerer Volatilität können kurzfristige Schwankungen reduzieren ohne langfristige Erträge zu beeinträchtigen.»

Gérard Piasko, Chief Investment Officer

Dies entspricht unserem seit einiger Zeit verfolgten Ansatz der «Defensivierung» der Portfolios, um in den nicht ungefährlichen Phasen einer weltweiten Konjunkturabschwächung mit weniger Schwankungen, also weniger volatil, und daher defensiver aufgestellt zu sein.

Analysen haben gezeigt, dass eine MinVol-Strategie Anlegern helfen kann, ein Portfolio mit weniger Risiko als dem Gesamtmarkt zu kreieren, was historisch oft half, mittelfristig bis langfristig stabilere Erträge mit weniger 
Volatilität zu erzielen. Dies bedeutet weniger kurzfristige Schwankungen und trotzdem langfristige Erträge.

So hat der Welt-MinVol-Aktienindex 2018 den Weltaktienindex um über 6 % geschlagen, in der Krise 2008/2009 um 8 % und 2000-2003 nach dem Platzen der Nasdaq-Aktienblase um 20 % - und schlug auch den SMI damals um 20 %. 
 

Grafik Bloomberg

 

Die Grafik zeigt auf, dass über den ganzen Zyklus mit Abwärts- und Aufwärtsphasen der Konjunktur und der Börse, der Welt-MinVol-Aktienindex den gesamten Weltaktienindex seit 1999 um 87 % schlagen konnte – und dies mit weniger Risiko, also Marktschwankungen, als der gesamte Weltaktienindex. MinVol-Aktien kommen aus Branchen und Firmen, die historisch stabilere Erträge und Margen als der Gesamtaktienmarkt aufweisen.

Eine höhere Gewichtung von weniger volatilen Aktien (sogenannter MinVol-Aktien) zulasten von solchen mit mehr Volatilität macht jetzt Sinn. Ein klarer Anstieg der Volatilität der Aktienmärkte in den kommenden Monaten würde uns nicht überraschen, sind doch bisher keine Anzeichen für weniger Konjunkturabschwächung auszumachen. Anzeichen der US-Zinskurveninversion bestärken uns darin.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Redaktionsschluss: 10. April 2019

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