Potenzielle Auswirkungen eines Handelsabkommens USA-China

Marktkommentar, März 2019

Potenzielle Auswirkungen eines Handelsabkommens USA-China

Die Finanzmärkte haben in den letzten Wochen davon profitiert, dass von substantiellen Fortschritten in den Gesprächen im Handelskonflikt USA-China berichtet wurde. Zusammen mit der von der US-Zentralbank vollzogenen Kehrtwende in der Ausrichtung der Zinspolitik ist dies der Hauptgrund für den historisch klar überdurchschnittlichen Jahresauftakt an den internationalen Aktienmärkten. Dies ist erkennbar an der Tatsache, dass die mehr exportorientierten und China-sensitiven Aktien sowie entsprechende Rohstoffe besonders zulegen konnten. Sie waren es auch, die 2018 ab der zweiten Jahreshälfte unter der Zuspitzung des Handelskonfliktes USA–China am meisten gelitten hatten. 

Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Dies gilt im besonderen Masse für ein mögliches Abkommen zwischen den USA und China im Handelsstreit. Eine Einigung über mehr Käufe Chinas von US-Gütern, z. B. im Agrar- oder Industriesektor, oder auch über einen besseren Zugang für US-Unternehmen zum chinesischen Markt ist einfacher zu erzielen, als eine Lösung bei den für Chinas Grossmacht-Ambitionen wichtigen Technologie-Transfers. Auch ein echter Schutz von geistigen Eigentumsrechten und Technologie-Patenten von amerikanischen Firmen ist schwieriger zu erreichen und noch schwieriger ist es einen Kontrollmechanismus dafür mit China durchzusetzen. 

Plausibel (aber bei der Unberechenbarkeit des US-Präsidenten nicht sicher) wäre bei einem Teilkompromiss eine partielle Rückgängigmachung der bisher in Kraft gesetzten Sonderzölle, d. h. von beiden Seiten 25 % auf Güter im Wert von 50 Mrd. US Dollar und von den USA 10 % auf 200 Mrd. Güterwert von chinesischen Importen.

Dieses Szenario könnte Aktien nach einer leichten Konsolidierung weitere Kursavancen ermöglichen, wobei Aktien aus den Schwellenländern oder der Eurozone (wo die Erträge mehr auf Asien ausgerichtet sind als im US-Aktienmarkt) sowie Technologieaktien (wegen nicht unterbrochenen Zulieferketten) profitieren könnten. Allerdings könnten die US-Zinserwartungen dann auch wieder nach oben drehen und weniger positiv für US-Aktien werden, wenn die US-Konjunktur nach einem Handelsabkommen mit China wieder stärker würde. Zuerst würde die US-Zentralbank aber wohl einige Monate zuwarten, um neue Wirtschaftsdaten bezüglich der Auswirkungen eines Handelsabkommens analysieren zu können, bevor die Zinsen weiter erhöht werden. In diesem Szenario einer partiellen Beilegung des Handelskonfliktes könnten auch mehr konjunktur- und China-abhängige Rohstoffe deutlicher ansteigen und Gold eher Gewinnmitnahmen zeigen.

«Im positiven Fall einer Konfliktlösung könnte der bald 10-jährige US-Konjunkturzyklus verlängert werden.»

Gérard Piasko, Chief Investment Officer

Allerdings können die Handelsgespräche, ähnlich wie der Gipfel zwischen dem nordkoreanischen und amerikanischen Präsidenten, auch ohne Konfliktlösung enden oder verschoben werden. In diesem negativen Szenario, das von den Märkten klar als weniger wahrscheinlich beurteilt wird, käme es wegen Enttäuschung und der technisch eher überkauften Lage zu einer Korrektur – sowohl bei Aktien, als auch bei Rohstoffen, wohl mit Ausnahme von Gold, dessen Nachfrage als geopolitische Absicherung dann wieder steigen würde. Im negativen Szenario würde der US-Dollar gegen Euro und Schwellenländerwährungen eher wieder stärker, im positiven Szenario einer Teillösung des Handelskonflikts eher schwächer werden und der Euro könnte sich etwas erholen. Der Euro bleibt aber hauptsächlich vom weiteren Verlauf der Konjunktur der Eurozone abhängig. 

Was könnten die Auswirkungen eines positiven Handelsabkommens oder im negativen Fall einer Fortsetzung des Handelskonflikts auf die Realwirtschaft sein? Die meisten Schätzungen rechnen im negativen Fall einer Konfliktfortsetzung global mit pro Jahr rund 0.3-0.4 % weniger Wirtschaftswachstum für 2019-2021, für China eher mit je rund 0.6-0.8 % weniger Wachstum pro Jahr. Dies hätte negativere ökonomische Auswirkungen für Europa und die Schwellenländer als für die USA, doch auch die USA würden eine zusätzliche Konjunkturabschwächung zeigen. Dies ist auch der Grund, weshalb US-Präsident Trump an einer partiellen Lösung des Handelsstreits interessiert sein müsste, denn, wenn die US-Wirtschaft 2020 stärker wird, steigen auch seine Chancen für eine Wiederwahl.

Im positiven Szenario könnte die derzeit beobachtbare Konjunkturabschwächung einer stärkeren globalen Wachstumsphase Platz machen und den bald längsten US-Konjunkturzyklus (er wird im Sommer 10 Jahre alt) nochmals verlängern. Allerdings würden die Obligationenmärkte dann wieder mehr Zinserhöhungen durch die US-Zentralbank antizipieren müssen. Die Renditen der amerikanischen und europäischen Anleihen würden wieder steigen und die Obligationenkurse in der Tendenz wieder fallen. 

Werden die USA nach einem Abkommen mit China den Druck auf Europa und die deutsche Autoindustrie erhöhen, um bessere Konditionen für sich zu bekommen – auch im Hinblick auf einen bald anlaufenden US-Wahlkampf? Alles in allem dürfte die wieder recht niedrige Volatilität in den Märkten wohl wieder steigen – nicht nur die Frühlingstemperaturen.
 

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Redaktionsschluss: 8. März 2019

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