Märkte warten auf politische Entscheidungen

Anlagepolitik, November 2019

Märkte warten auf politische Entscheidungen

Die Finanzmärkte bleiben beeinflusst von Entwicklungen im Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie geopolitischen Unsicherheiten betreffend einer wirklichen «Brexit»-Lösung. In Phasen von US-Zinskurven-Inversionen und Volatilitäten hat sich historisch eine ausgewogene Anlageklassen-Aufteilung bewährt. Angesichts der zweigeteilten Weltwirtschaft – recht robuste Konsum- und Dienstleistungsaktivität, jedoch unterdurchschnittliche Industrieproduktion – und der weitergehenden globalen Zinssenkungen erscheint eine diversifizierte Asset Allokation derzeit erst recht sinnvoll. 

Verschiedene Wirtschaftsindikatoren zeigen seit Wochen an, dass nicht nur die chinesische oder europäische, sondern auch die amerikanische Wirtschaft nun weniger Dynamik aufweist. Die US-Wirtschaft ist aber im relativen Vergleich immer noch am solidesten im Wirtschaftswachstum. Wichtig wird in den kommenden Monaten das Verhalten der US-Konsumenten, die mit ihren Ausgaben bekanntlich rund 70 % der US-Wirtschaftsaktivität ausmachen. Tiefere Benzin- und Heizölpreise geben ihnen mehr Kaufkraft für den Konsum, was in der anlaufenden Saison der Weihnachtseinkäufe von Vorteil sein dürfte. Ebenso könnten die gesunkenen Finanzierungskosten die in den USA weit verbreiteten Kredite und damit den Konsum unterstützen. Auf der anderen Seite schwächt sich weltweit die Industrieaktivität weiter ab, weil sich viele Unternehmer wegen weiter bestehenden Unsicherheiten betreffend Welthandel und «Brexit» bei Investitionen zurückhalten. Deshalb kommt nun der Entwicklung der globalen Arbeitsmärkte in den nächsten Monaten eine besondere Bedeutung zu. Sie dürften für das Wirtschaftswachstum von 2020 entscheidend werden. 

Aktien
Die Aktienmärkte zeigen im Herbst historisch meist mehr Schwankungen als in anderen Jahreszeiten. Dies hat mit Anpassungen der Gewinnannahmen der Unternehmen im Hinblick auf die Markterwartungen für das kommende Jahr zu tun bzw. mit neuen Budgetzielen, vielleicht auch psychologisch mit den dunkler werdenden Tagen. Aktien zeigen nun, nach dem deutlichen Renditerückgang bei Anleihen, eine im Vergleich attraktive Dividendenrendite. So ist inzwischen in den USA die Dividendenrendite des S&P 500-Index höher als die Rendite der 10-jährigen US-Regierungsobligationen. Diese Konstellation gab es in den letzten 10 Jahren im Frühjahr 2009, ab dem 2. Quartal 2012 und nach dem 1. Quartal 2016, worauf jeweils Aktienanlagen einen ansprechenden Gesamtertrag zeigten. Dies spricht dafür, dass zwar die Herbstsaison zu stärkerer Volatilität, also klar höheren Schwankungen führen kann, aber andererseits die Attraktivität von Aktien gegenüber Anleihen nicht geringer wird sofern keine Rezession die Firmengewinne ins Negativwachstum drückt. Da viele Anleihen schon negativ rentieren, erscheint eine zu geringe Gewichtung von Aktien nun ebenfalls recht riskant. Aktien mit geringerer Volatilität als derjenigen des Gesamtmarkts liegen erscheinen aber weiter sinnvoll.

Eine ausgewogenere Anlagepolitik ist angesichts globaler Zinssenkungen angebracht.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer 

Obligationen
Kurzfristig dürften die Obligationenmärkte vermehrt von neuen Entwicklungen im Handelskonflikt abhängen. Das heisst, dass in Eskalationsphasen oder bei negativen Konjunkturüberraschungen Regierungsobligationen zwar gut laufen könnten, mittelfristig aber höher rentierende Unternehmensanleihen doch aufgrund des Renditevorteils interessanter erscheinen. Riskantere Anleihen aus dem «High Yield»-Bereich, also hochverzinsliche Obligationen, würden wir in Phasen höherer Marktvolatilität nicht überdurchschnittlich hoch gewichten. 

Generell gehen wir davon aus, dass die globalen Zentralbanken bei Konjunkturschwächen in den kommenden Monaten ihre Wirtschaftsstimulierung über eine noch lockerere Geldpolitik verstärken müssen, auch wenn sich über die Wirksamkeit der gegenwärtigen Zinspolitik, zum Beispiel der Europäischen Zentralbank, streiten lässt. Dies alles dürfte Unternehmensanleihen von Investment Grade Qualität Unterstützung geben, welche wir im gegenwärtigen Umfeld überdurchschnittlich gewichten. 

Währungen
Einige schwächere US-Wirtschaftsdaten haben zu gewissen Gewinnmitnahmen im US-Dollar gegenüber dem Euro und anderen Währungen geführt. Die Bewertung des US-Dollars ist im historischen Vergleich zwar überdurchschnittlich, doch noch nicht sehr teuer wie beispielsweise zuletzt 2002. Zwei Faktoren sprechen für einen stärkeren US-Dollar gegenüber europäischen Währungen. Einerseits das höhere Wirtschaftswachstum und andererseits das höhere Zinsniveau bzw. höhere Obligationenrenditen. Dies gibt der US-Zentralbank auch mehr Raum für Zinssenkungen um die Konjunktur anzukurbeln verglichen mit der Bank of Japan, der SNB oder der Europäischen Zentralbank.  Der Schweizer Franken bleibt zum US-Dollar in einer Schwankungszone von rund 4 – 6 %, in der er jeweils in geopolitisch angespannteren Wochen etwas stärker wird. Die Tendenz des Euro zum Schweizer Franken wird weiter hauptsächlich vom EUR/USD-Kurs bestimmt. Daher sehen wir die Möglichkeit neuerlicher Schwächeperioden des Euro als Hauptrisiko, solange die «Brexit»-Problematik noch nicht wirklich endgültig gelöst ist. 

Rohstoffe
Historisch ist die Anlageklasse der Rohstoffe noch volatiler als jene der Aktien und klar volatiler als jene der Anleihen. Dies hat damit zu tun, dass Rohstoffe grundsätzlich keine Rendite aufweisen und darum mehrheitlich von den Erwartungen und Spekulationen betreffend Veränderung von Nachfrage und Angebot abhängig sind. Die vergangenen Wochen haben die hohe Volatilität der Rohstoffe vor allem beim Ölpreis wieder klar dargelegt. Weniger volatil zeigte sich in den letzten Wochen Gold, befindet sich aber technisch eher in einer etwas überkauften Position, weshalb eine Konsolidierung nicht überraschen würde. Mittelfristig wird Gold, das sich in einem technischen Aufwärtstrend befindet, vor allem von Kapitalflüssen im US-Dollar abhängig werden. Wir bleiben momentan bei einer eher neutralen Meinung zu Gold, weisen aber klar auf die wichtige Diversifikationsfunktion von Gold in einer ausgewogenen Anlageaufteilung hin. Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten könnten unerwartete Ereignisse die Nachfrage nach Gold erhöhen. 
 

 

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Diese Publikation dient ausschliesslich zu Informations- und Marketingzwecken und ist nicht auf die Herbeiführung eines Vertragsschlusses gerichtet, sondern enthält lediglich Markt- und Anlagekommentare von Maerki Baumann & Co. AG sowie eine Einschätzung zu ausgewählten Finanzinstrumenten. Somit stellt diese Publikation keine Anlageberatung oder individuell-konkrete Anlageempfehlung sowie kein Angebot für den Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten dar. Maerki Baumann & Co. AG erbringt keine Rechts- oder Steuerberatung. Im Weiteren übernimmt Maerki Baumann & Co. AG keinerlei Haftung für den Inhalt dieses Dokuments und haftet insbesondere nicht für Verluste oder Schäden irgendwelcher Art, einschliesslich direkte, indirekte oder Folgeschäden, die aufgrund von in diesem Dokument enthaltenen Informationen und/oder infolge der den Finanzmärkten inhärenten Risiken entstehen können.

Redaktionsschluss: 25. Oktober 2019

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