Hoffnung auf ein Handelsabkommen

Anlagepolitik, Dezember 2019

Hoffnung auf ein Handelsabkommen

Die Hoffnung auf ein Handelsabkommen und höhere Geldliquidität haben bei Aktien für Avancen gesorgt und bei Regierungsobligationen etwas zu Gewinnmitnahmen geführt. Die Unternehmensresultate des 3. Quartals waren insgesamt zufriedenstellend. Falls es zu einer Unterzeichnung eines ersten Handelsabkommens zwischen den USA und China kommt, könnten die Schwellenländer gegenüber anderen Aktienmärkten aufholen, weil dann Gewinnschätzungen und Wirtschaftswachstum profitieren könnten. 

Die globalen Wirtschaftsindikatoren bleiben «zweigeteilt». Das bedeutet weiterhin, dass Konsum und Dienstleistungen sich stärker präsentieren als Industrie und Investitionen. Die historisch tiefe Arbeitslosenrate stützt den Konsum in den USA, aber auch in Europa, was gerade jetzt im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft wichtig ist. Die Finanzmärkte erhielten in den letzten Wochen vermehrt Rückenwind durch die wieder zunehmende Geldliquidität. Die von der amerikanischen Zentralbank und der EZB wiederaufgenommenen Käufe von Anleihen (Bilanzsummenausweitung) und Zinssenkungen stützten global sowohl Aktien wie Obligationen, besonders Unternehmensanleihen. Zudem kann die steigende Erwartung auf den Abschluss eines mindestens partiellen Handelsabkommens zwischen den USA und China zu einer teilweisen Stabilisierung der Stimmung bei Unternehmen und Exporteuren führen. Von Bedeutung wird nun die Frage, ob nicht nur die für das 4. Quartal geplanten neuen Zollerhöhungen der USA ausgesetzt werden (wenn es wirklich so bleibt, was bei Trump nie sicher ist), sondern ob auch einige der bisherigen Zollerhöhungen rückgängig gemacht werden. 

Aktien
Die Aktienmärkte hoffen, dass es noch in diesem Jahr zu einem ersten „Handelsdeal“ zwischen den USA und China kommt. Die Schwellenländer könnten bei einem solchen Abschluss in ihrer seit einigen Jahren zurückgebliebenen Performance gegenüber dem Weltaktienindex aufholen, sofern nicht andere, sie betreffende, politische Probleme neu dazukommen. Die Unternehmensresultate des 3. Quartals waren zufriedenstellend. Wie schon in den letzten Quartalen zeigten die USA bessere Gewinn- und Umsatzresultate als Europa, sowohl im Vergleich zu den Konsenserwartungen wie auch zum Vorjahr. Das global von den Analysten inzwischen klar reduzierte Gewinnwachstum für dieses Jahr erscheint nun realistischer. Doch der Anstieg der Aktienmärkte seit Anfang Jahr hat seine Ursache hauptsächlich in einer Ausweitung der Bewertung, sowohl im Kurs-/Gewinn-Verhältnis wie auch in anderen Bewertungskriterien. Wegen der Unsicherheiten um den Handelskonflikt hat die Bewertung der Schwellenländer in den letzten eineinhalb Jahren hingegen abgenommen im Vergleich zum gesamten Weltaktienindex – in den letzten 10 Jahren sogar zweistellig im Zusammenhang mit dem rückläufigen Wirtschaftswachstum vor allem von China. Ein erfolgreich abgeschlossenes Handelsabkommen könnte die Stimmung der Investoren hinsichtlich des Wirtschaftswachstums der Schwellenländer verbessern und Schwellenländeraktien daher zu höheren Kursen verhelfen. 

Bei einem unterzeichneten und zufriedenstellenden Handelsabkommen könnten Schwellenländer profitieren.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer 

Obligationen
Die US-Zentralbank hat wie von den Märkten erwartet im Oktober zum dritten Mal die Leitzinsen um 0.25 % gesenkt. Sie signalisierte allerdings eine Pause in ihren Zinssenkungen, um die Wirkung der bisherigen monetären Lockerungen beobachten zu können. Staatsanleihen zeigten in der Folge etwas Gewinnmitnahmen. Der seit Monaten beobachtbare Inflationsrückgang sowohl in Europa wie in den USA wirkt aber grundsätzlich für Obligationenmärkte als Unterstützung. Unternehmensanleihen profitierten von den zufriedenstellenden Unternehmensresultaten zum 3. Quartal. Die seit Jahresbeginn bessere Performance der Unternehmensobligationen im Vergleich mit Regierungsobligationen wurde dadurch bestätigt. Dies stützt unsere Übergewichtung von Unternehmensobligationen gegenüber Staatsanleihen. Auch die wiederaufgenommene Ausweitung der Bilanzsumme der US-Zentralbank sowie der Europäischen Zentralbank (EZB) in den lezten Wochen wirkt als Anlass zur Suche nach höher rentierenden Anleihen, die generell Unternehmensanleihen mehr Support geben als Regierungsobligationen.

Währungen
Seit einiger Zeit ist der Euro gegenüber dem Schweizer Franken unter Druck. Der Grund ist nicht nur der mehrjährige Abwärtstrend des Euros gegenüber dem US-Dollar, welcher vor allem aus dem stärkeren Wirtschaftswachstums der USA im Vergleich zur Eurozone resultiert. Auch das Wirtschaftswachstum der Schweiz kann sich gegenüber dem der Eurozone sehen lassen, hat allerdings jüngst etwas nachgelassen. Aufgrund der für die Berechnung des Schweizer Wirtschaftswachstums wichtigen Olympischen Spiele 2020 (Domizil des Internationalen Olympischen Komitees ist die Schweiz) wird das Schweizer Wirtschaftswachstum aber schon rein rechnerisch wieder stärker werden, was den Schweizer Franken indirekt unterstützen kann. Die Schweizerische Nationalbank bekräftigte in den letzten Wochen ihre Bereitschaft bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, um den Schweizer Franken nicht allzu stark werden zu lassen. Der US-Dollar seinerseits hat zum Schweizer Franken weiterhin eine volatile Seitwärtstendenz, die seit Monaten andauert. 

Rohstoffe
Die von uns in der letzten Ausgabe der Anlagepolitik erwartete Konsolidierung im Gold wurde Realität, was sich im Rückgang um rund 5 % des Goldpreises zum US-Dollar zeigte. Ob sie schon endgültig abgeschlossen ist, hängt unter anderem davon ab, ob ein zufriedenstellendes Handelsabkommen zwischen den USA und China auch wirklich unterzeichnet wird und in den Details überzeugt. Dieser Faktor bestimmt in den nächsten Wochen auch die Industriemetalle. Besonders Kupfer reagiert oft sehr sensitiv auf Faktoren, die das chinesische Wirtschaftswachstum betreffen. Dies kann nicht überraschen, ist doch China für über 50 % der Nachfrage nach Kupfer verantwortlich. Im Ölpreis zeigen sich parallel zu den Aktienmärkten seit einigen Wochen ebenfalls Kursavancen. Allerdings ist nicht sicher, ob die seit dem Frühsommer bestehende Bandbreite von rund 50-60 USD pro Fass WTI-Öl durchbrochen werden kann. Wichtig wird nicht nur die Entwicklung der globalen Nachfrage, die im Winter oft von den Temperaturen der nördlichen Hemisphäre abhängt, sondern vor allem, ob die Produktionskürzung der OPEC noch weiter verlängert wird. 
 

 

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Redaktionsschluss: 26. November 2019

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