Die Aktienvolatilität könnte wieder steigen

Anlagepolitik, April 2019

Die Aktienvolatilität könnte wieder steigen

Die wichtigen Zentralbanken, nun auch die EZB,  haben jüngst ihre Absicht bekräftigt die globale Konjunkturschwäche durch mehr monetäre Liquidität – den Sauerstoff der Finanzmärkte – zu unterstützen. Die Pause der US-Zentralbank bei den Zinserhöhungen bleibt wichtigster Grund für die seit Jahresbeginn historisch überdurchschnittliche Rally der Aktienmärkte.  Dies hat inzwischen zu einer technisch überkauften Situation geführt und die Bewertungen der Aktienmärkte rund 13 % teurer gemacht. Die Wirtschaftsdaten sollten die sinkenden Firmengewinnschätzungen daher wieder stärken - ansonsten Gewinnmitnahmen und wieder steigende Volatilität nicht überraschen würden. 

Global zeigen die meisten Indikatoren weiter eine Konjunkturabschwächung. Doch parallel zu mehr wärmenden Sonnenstrahlen könnten nun auch erste «Wirtschaft-Frühlingsboten» sichtbar werden. Die Konsenserwartungen sind seit Jahresbeginn deutlich gefallen. Dies sehen wir an den vielen, jüngst erfolgten Abwärtsrevisionen für das Wirtschaftswachstum 2019, vom Internationalen Währungsfonds bis zur EZB. Wenn die Erwartungen tiefer sind, können diese eher übertroffen werden. Andererseits müssen wir feststellen, dass die Volatilitäten, also die antizipierten Marktschwankungen, sehr stark zurückgekommen sind. Dies hat auch damit zu tun, dass fast alle Marktbeobachter 2019 nicht mehr von Zinserhöhungen ausgehen, nachdem Jerome Powell am 20. März entsprechende Erwartungen bestätigte. Daher haben Aktien einen weit überdurchschnittlich guten Jahresbeginn gesehen. 

Aktien
Wie hat sich das Umfeld gegenüber Anfang Januar verändert? Wir sehen deutlich mehr monetäre Unterstützung durch Zentralbanken, aber auch klar sinkende Prognosen für die Unternehmensgewinne. Zudem stimuliert die chinesische Regierung ihre sich immer noch abschwächende Wirtschaft - allerdings klar weniger stark als 2016. 

Generell zeigt der Rückgang der impliziten Volatilität in vielen Aktienmärkten den wieder starken Optimismus der Marktteilnehmer. Besonders bezüglich der Verhandlungen im Handelsstreit zwischen den USA und China gehen die Märkte von einem die Erwartungen nicht enttäuschenden Resultat aus, was aber keineswegs sicher ist. Ein Wiederanstieg der historisch zu tiefen Marktvolatilität würde uns daher nicht überraschen. Dies könnte konjunkturabhängige Aktien und Aktien mit mehr Volatilität und Beta (Sensitivität zum Gesamtmarkt) korrigieren lassen. Daher kann es im gegenwärtigen Zeitpunkt sinnvoll sein in Sektoren, die 2019 weit überdurchschnittlich angestiegen sind wie z. B. Biotechnologie, Gewinne mitzunehmen und dafür in Aktien mit minimerer, geringerer Volatilität zu wechseln. 

Partielle Gewinnmitnahmen in Aktien, die besonders stark angestiegen sind, können sinnvoll sein.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer

 

 

Obligationen
Anleihen profitierten seit Jahresbeginn von der eher seltenen Kombination sowohl sinkender Renditen von Staatsanleihen als auch einer Reduktion der Renditeaufschläge von Unternehmensanleihen gegenüber Regierungsobligationen. Die Reduktion dieser sogenannter «Kredit-Spreads» zeigt den parallel mit steigenden Frühlingstemperaturen aufkommenden Konjunkturoptimismus der Märkte. Sollten in den kommenden Monaten die Wirtschaftsdaten wieder besser als erwartet ausfallen, könnten die höher rentierenden Segmente der globalen Anleihenmärkte nochmals unterstützt werden. In Europa werden höherrentierende Obligationen angesichts der wieder sehr tiefen Staatsanleihenrenditen derzeit mehr nachgefragt als vor einigen Monaten. Generell unterstützt die von der US-Zentralbank unternommene Pause bei Zinserhöhungen, die am 20. März von Fed-Chef Powell bekräftigt wurde, derzeit alle Anleihensegmente.

Währungen
Die Zinserhöhungspause der US-Zentralbank hat nicht zu einer ausgeprägten, sondern nur leichten US-Dollar-Schwäche geführt. Der Grund liegt im weiter besseren Wirtschaftswachstum der USA im Vergleich mit Europa. Zudem hat sich die Zinsdifferenz bei den Obligationen zwischen den USA und besonders der Eurozone seit Jahresbeginn zugunsten der USA ausgeweitet. Zum dritten belastet die weiter ungelöste Brexit-Problematik europäische Währungen gegenüber dem US-Dollar. Für Schwellenländerwährungen wird die Frage wichtig, ob sich die jüngst gesehene Konjunkturschwäche verschiedener Schwellenländer im Vergleich zur stärkeren US-Wirtschaft wieder stabilisiert. Im Euro zum US-Dollar rechnen wir mit einer Erhöhung der wieder recht tiefen Volatilität innerhalb der bisher gehaltenen Bandbreite von rund 1.12–1.18. 

Rohstoffe
Der Ölpreis zeigt seit vielen Wochen wieder eine Aufwärtstendenz. Er profitiert von der klaren Reduktion des Angebots durch die Produktionskürzung der OPEC, besonders von Saudi-Arabien. Die USA sind weiterhin mit einem Mangel an Pipeline-Kapazitäten konfrontiert, die noch Monate andauern wird, was ein höheres US-Ölangebot auf den globalen Märkten zurzeit behindert. Zudem hat der Ölpreis inzwischen den charttechnischen Abwärtstrend des vierten Quartals deutlich durchbrochen.

Gold ist um die technische Widerstandszone von 1300-1350 USD pro Unze für Gewinnmitnahmen anfällig geworden. Besonders wenn die «Frühlingsvorboten» in einigen Volkswirtschaften Realität werden, also besser als erwartete Wirtschaftsdaten publiziert würden, könnte das als sicherer Hafen genutzte Gold gegenüber den anderen, mehr konjunkturabhängigen, Rohstoffen Performance verlieren. Auch bei einem positiven Abschluss der Verhandlungen im Handelsstreit könnte Gold gegenüber anderen Rohstoffen zurückfallen.
 

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Redaktionsschluss: 25. März 2019

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