Ein typischer Oktober?

Anlagepolitik, November 2018

Ein typischer Oktober?

Historisch zeigt der US-Aktienmarkt drei bis vier Korrekturen von 5-10 % pro Jahr, aber dennoch ein positives Jahresresultat von 7-8 % im Durchschnitt. Früher, vor dem nun üblichen schnellen algorithmischen Handel der Hedge Fonds, verliefen Korrekturen allerdings weniger rasant. Der Oktober ist historisch der volatilste Monat im Aktienmarkt. Doch das letzte Quartal insgesamt ist im US-Aktienmarkt historisch in der Performance auch das stärkste Quartal. 

Manchmal verändert sich fundamental wenig, doch die Märkte bewegen sich stärker, was oft markttechnisch bedingt ist. So ist historisch die Marktvolatilität im Monat Oktober die höchste aller Monate sowohl im amerikanischen wie europäischen Aktienmarkt. Auch in diesem Jahr hat der Oktober Herbst-Stürme verursacht, diesmal eher im Markt als beim Wetter. Fundamental zeigt sich die Weltwirtschaft jedoch wenig verändert. In den USA deutet ein wichtiger ökonomischer Vorlaufindikator, der PMI (Einkaufsmanager-Index) des verarbeitenden Gewerbes, mit 55.9 weiter eine klare Konjunkturexpansion an. In der Eurozone liegt der gleiche Wirtschaftsindikator etwas niedriger, aber keineswegs im Bereich einer Rezession. Wie im letzten Marktkommentar beschrieben, bestehen zwar für 2019/20 je nach dem weiteren Verlauf des Handelskonflikts ökonomische Risiken. Bedeutende Risiken aber, die zu Wachstumsrückgängen von über 0.75 % in der Weltwirtschaft führen, würden eine deutliche Eskalation des Handelskrieges von US-Präsident Trump benötigen und auch eine schärfere Sanktionsantwort betroffener Staaten wie China oder der Eurozone. Dies bedeutet, dass die nächsten Schritte von Donald Trump nach den US-Kongresszwischenwahlen für die Finanzmärkte wichtig werden.

Aktien
Der Oktober wurde wieder seinem Ruf als volatiler Aktienmonat gerecht - diesmal war wohl kein einzelner Auslöser, sondern eine Kombination von Faktoren für die Korrektur entscheidend. Ein Faktor war die Befürchtung die US-Zentralbank könnte noch deutlich restriktiver in der Geldpolitik werden, nachdem Fed-Mitglieder wie Evans von Chicago oder Fed-Chef Powell auf weitere Zinserhöhungen hinwiesen. Die vorher vom Marktkonsens weniger als von den Fed-Mitgliedern erwarteten Zinserhöhungen sind nun realistischer eingepreist als früher. Zweitens kam es zu Gewinnmitnahmen bei dieses Jahr besonders gut gelaufenen US-Technologieaktien, nachdem der verschärfte Handelskonflikt zu Befürchtungen betreffend Zulieferketten führte (siehe dazu unser letzter Marktkommentar). Und drittens zeigten sich geopolitisch wieder mehr Risiken, z.B. die Konfrontation zwischen Italien und der EU um das italienische Budgetdefizit sowie das trotz zunehmendem Zeitdruck weiter ungelöste Brexit-Problem. 

Historisch zeigen sich im US-Aktienmarkt drei bis vier Konsolidierungen bzw. Korrekturen von 5-10 % pro Jahr, wobei aber die durchschnittliche Jahresperformance per Ende Jahr über alle Jahre positive 7-8 % beträgt. Die jüngste Aktienmarktkorrektur hat zu einer überverkauften technischen Marktsituation im Weltaktienindex und in den Märkten der meisten Regionen geführt.

Historisch zeigt das letzte Quartal des Jahres im amerikanischen und europäischen Aktienmarkt eine überdurchschnittliche Performance im Schnitt der letzten Jahrzehnte.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer

Statistisch zeigt das letzte Quartal des Jahres bis Ende Dezember im amerikanischen und europäischen Aktienmarkt eine überdurchschnittliche Performance mit +5-6 % im Schnitt der letzten Jahrzehnte. Seit 1946 war der S&P 500 zudem noch nie negativ 12 Monate nach den US-Zwischenwahlen, die dieses Jahr am 6. November stattfinden. Wir erwarten hierbei, dass die republikanische Partei von US-Präsident Trump im US-Kongress zwar Sitze verliert, doch nicht so viele, dass z. B. ein Amtsenthebungsverfahren möglich wäre. Sollten die Sitzverluste grösser ausfallen, könnte Trump hin zu einer weniger radikalen Politik beeinflusst werden, was Aktien aus Europa und vor allem aus den Schwellenländern relativ zu den US-Aktien helfen könnte.

Obligationen
Der lange zu optimistische Marktkonsens betreffend US-Zinserhöhungen ist nun mehr der Meinung der US-Zentralbank bzw. ihrer sogenannten «Dot-Plots» angepasst und damit realistischer geworden. So geht der Analystenkonsens nun für 2019 von einem US-Leitzins der Fed von 3-3,25 % aus. Auch der Konsens für die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen entspricht mit 3,4 % für 2019 nun eher der Entwicklung einer langsam ansteigenden US-Inflation. Auch die Inflation in der Eurozone steigt graduell an, jedoch moderater als in den USA. Der Marktkonsens von 0.62 % für die Rendite deutscher 10-jähriger Staatsanleihen erscheint plausibel, hängt jedoch von der weiteren Entwicklung in Italien ab. Sollte die Konfrontation der italienischen Regierung mit der EU zu einem Kompromiss 
betreffend Budgetdefizit führen, könnte die deutsche 
Rendite stärker als vom Konsens erwartet ansteigen. 

Währungen
Relativ hoch erscheint uns der Marktkonsens 2019 von 1.24 für EUR/USD. Zwar entspricht dies etwa dem Niveau der Kaufkraftparität, doch hat sich in der Vergangenheit oft gezeigt, dass dieser sogenannte «faire Wert» bei Währungen über längere Zeit nicht erreicht wird. Wichtiger wird die Differenz zwischen dem Wirtschaftswachstum der Eurozone und jenem der USA. Sollte die Wirtschaft der Eurozone sich mehr abschwächen als jene der USA, wäre kaum zu erwarten, dass der Euro gegen US-Dollar auf 1.24 steigt. Da der von US-Präsident Trump dominierte Handelskonflikt für die stark auf Exporte (auch nach China) orientierte Konjunktur der Eurozone wichtig ist, gerade auch in Deutschland, ist weiterhin eher mit volatilen Euro-Kursen gegen US-Dollar und Schweizer Franken um 1.12-1.18 zu rechnen. 

Rohstoffe
Steigende geopolitische Unsicherheiten wie die immer noch ungelöste Brexit-Frage, das Verhältnis USA-Iran-Saudiarabien oder von Italien gegenüber der EU sowie 
volatilere Aktienmärkte erhöhen derzeit die Nachfrage nach Gold. Daher ist es Gold gelungen den seit Mai 2018 entwickelten eher kurzfristigen Abwärtstrend zu durchbrechen. Der Ölpreis (West Texas Intermediate bzw. WTI) ist weiter in der Handelsbandbreite von rund 65-75 USD. Als von der Weltwirtschaft abhängiger Rohstoff verzeichnete Öl Gewinnmitnahmen, als der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft kürzlich reduzierte. Kurzfristig wird für Öl die Veränderung der OPEC- und US-Ölproduktion wichtig bleiben, da das globale Angebot angespannt bleibt.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

Modular anlegen mit Maerki Baumann

Die hervorgehobenen Akzentmodule erlauben es Ihnen, die erwähnten Themen in Ihrem Portfolio abzubilden:

Aktien Schweiz Aktien USA
Nebenwerte Schweiz Aktien Schwellenländer
Aktien Eurozone Aktien Global
Aktien Deutschland  
Obligationen CHF Global Ausgewogen
Obligationen EUR Rohstoffe
Obligationen USD  
Obligationen Schwellenländer  

Wichtige rechtliche Hinweise:

Diese Publikation ist nicht auf die Herbeiführung eines Vertragsschlusses gerichtet, sondern enthält lediglich Markt- und Anlagekommentare von Maerki Baumann & Co. AG sowie eine Einschätzung zu ausgewählten Finanzinstrumenten. Somit stellt diese Publikation weder eine Anlageberatung noch ein Angebot für den Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten dar. Maerki Baumann & Co. AG erbringt keine Rechts- oder Steuerberatung. Im Weiteren übernimmt Maerki Baumann & Co. AG keinerlei Haftung für den Inhalt dieses Dokuments und haftet insbesondere nicht für Verluste oder Schäden irgendwelcher Art, einschliesslich direkte, indirekte oder Folgeschäden, die aufgrund von in diesem Dokument enthaltenen Informationen und/oder infolge der den Finanzmärkten inhärenten Risiken entstehen.

Redaktionsschluss: 25. Oktober 2018

Maerki Baumann & Co. AG
Dreikönigstrasse 6, CH-8002 Zürich
T +41 44 286 25 25, info@maerki-baumann.ch
www.maerki-baumann.ch

top