Steigende Konjunkturprognosen

Anlagepolitik, Mai 2021

Steigende Konjunkturprognosen

Angesehene internationale Organisationen wie der Internationale Währungsfonds (IWF) oder die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) erhöhen ihre Wirtschaftsprognosen nicht nur für das Jahr 2021, sondern auch für 2022. Ein stärkeres globales Wirtschaftswachstum stützt die Unternehmensgewinne und damit Aktien gegen Anleihen. Angesichts der seit längerer Zeit stark gelaufenen Aktienmärkten haben wir dennoch die Aktien-Übergewichtung minim reduziert, um von Gewinnmitnahmen in Positionen, die wir schon sehr lange gehalten haben, zu profitieren.

Die OECD hat jüngst ihre Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft deutlich erhöht. Für 2021 sieht sie nicht mehr 4,2 % Wirtschaftswachstum, sondern nun sogar 5,6 %. Auch das globale Wirtschaftswachstum für 2022 wurde nach oben revidiert, und zwar von 3,7 % auf 4,0 %. Der Hauptgrund für die Erhöhung der globalen Wirtschaftsprognose ist eine stärkere Einschätzung der US-Konjunktur: Die OECD hat das amerikanische Wirtschaftswachstum von 3,2 % auf 6,5 % erhöht, was mehr als eine Verdoppelung darstellt. Angesichts der diversen amerikanischen Konjunkturstimulierungspakete, welche sich inzwischen auf über USD 5’000 Mrd. summieren, erscheint dieses Jahr ein US-Wachstum von sogar 7-8 % möglich. Dies könnte aber zu einer deutlicheren Aufwärtsbewegung der langen Zinsen führen. Aktiensegmente, welche weniger durch die derzeitige Konjunktur gesteuert und mehr von der Zukunft abhängig sind (sogenannte «long duration»-Aktien), werden bei einer Erhöhung der langen Zinsen bzw. steigenden Anleihenrenditen zunehmend verwundbarer. 

Aktien
Die fortgesetzten Konjunkturstimulierungen der amerikanischen Exekutive und Legislative hat zwei Konsequenzen: Zum einen richtet sich der Fokus der Aktieninvestoren zunehmend auf Firmen aus Branchen, welche konjunktursensitiv sind und 2021/2022 ein besonders starkes Gewinnwachstum zeigen dürften. Zum anderen ermöglicht der neue Fokus auch partiell Gewinnmitnahmen bei den bisherigen Favoriten – Aktien von Firmen, deren Wachstum eine längere Duration aufweist, also weiter entfernt in der Zukunft liegen und/oder weniger von der Konjunkturerholung 2021/2022 abhängig sind. Dies gilt über alle Regionen und ist in der jahrelangen Favorisierung der «long duration»-Firmen begründet, die sie in der Bewertung gegenüber konjunktursensitiven Firmen teurer gemacht hat (vgl. unseren Marktkommentar «Wert oder Wachstum?» vom 7. April 2021). Angesichts der global deutlichen Konjunkturerholung bleiben wir Aktien übergewichtet. Wir haben aber entschieden, die Übergewichtung minim zu reduzieren, um aufgelaufene Gewinne bei «long duration»-Aktien, z. B. bei Aktien minimerer Volatilität oder Robotik, die wir schon lange gehalten haben, zu ermöglichen.

Die Wirtschaftserholung stützt Aktien gegenüber Anleihen.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer

Obligationen
Die global weiter ansteigenden Wachstumsaussichten, angeführt von weiteren US-Konjunkturstimulierungen, sorgen seit einiger Zeit für veränderte Tendenzen in den Anleihenmärkten als im vergangenen Jahr. Der Trend der globalen Rendite bei Regierungsobligationen, getrieben von US-Staatsanleihen, ist nun mittel- bis langfristig nach oben gerichtet. Der Grund dafür sind die sich kontinuierlich erhöhenden Inflationserwartungen. In der Eurozone versucht die Europäische Zentralbank (EZB), diesem Trend mit mehr Obligationenkäufen entgegenzutreten – mit gemischtem Erfolg. Denn die Renditen der europäischen Anleihen sind auch deutlich angestiegen, aber weniger stark als jene der USA. Das bedeutet, dass die EZB mehr Anstrengungen bei ihren Obligationenkäufen unternehmen muss. Sprich, sie sollte klar mehr Geld aufwenden, da die Nachfrage nach europäischen Anleihen wegen der vergleichsweise tieferen Renditen derzeit recht gering ist. Ansonsten riskiert die EZB einen Verlust an Glaubwürdigkeit. Insgesamt halten wir daher an unserer seit Monaten bestehenden Untergewichtung von Anleihen fest.

Währungen
In letzter Zeit waren in dem am meisten gehandelten Währungspaar EUR/USD weniger markante Bewegungen zu verzeichnen, sondern eher in den Währungen einiger Schwellenländer. Am meisten verloren der brasilianische Real und die türkische Lira. Beide Länder mussten die Zinsen zur Währungsstützung erhöhen, was aber die Wachstumsaussichten nicht verbessert. Zudem mischen sich in beiden Ländern die Regierungschefs so stark in die Geldpolitik ein, dass von einer unabhängigen Zentralbank nicht mehr die Rede sein kann. Der Schweizer Franken schwächte sich jüngst etwas ab, sowohl gegen den Euro wie auch den US-Dollar. Dies steht im Zusammenhang mit weniger Nachfrage nach diesem eher in wirtschaftlichen Krisenzeiten gesuchten «sicheren Hafen», was aufgrund der nach oben revidierten globalen Wirtschaftsprognosen nicht ganz überraschen darf. 

Rohstoffe
Gold hat 2020 mehr geglänzt als in diesem Jahr. Auch hier gilt ähnlich wie beim Schweizer Franken die Beobachtung, dass bei sich verbessernden Konjunkturaussichten die Nachfrage nachlässt. Zunehmende Nachfrage von Seiten der Investoren haben im bisherigen Jahresverlauf jene Rohstoffe gezeigt, die von einer stärkeren Industrieproduktion profitieren. Dies begünstigt die zyklisch orientierteren Rohstoffe wie z. B. Öl. Zwar haben die Mitglieder der Organisation erdölproduzierender Staaten und deren befreundete Länder (die sogenannte «OPEC+») an ihrer letzten Sitzung einer leichten Produktionserhöhung zugestimmt, doch bleibt das Ölangebot noch etwa 6,55 Mio. Fass pro Tag unter der Ölproduktion von vor der Coronapandemie. 

Fazit: Wenn wie aktuell die Konjunkturstimulierung zunimmt, erscheint eine Favorisierung von Aktien gegenüber Anleihen sinnvoll. Wir bleiben Aktien übergewichtet, reduzieren sie aber durch Gewinnmitnahmen in lange gehaltenen Positionen.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als Chief Investment Officer das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre Chief Investment Officer bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

Modular anlegen mit Maerki Baumann

Die hervorgehobenen Akzentmodule erlauben es Ihnen, die erwähnten Themen in Ihrem Portfolio abzubilden:

Aktien Schweiz Aktien USA
Nebenwerte Schweiz Aktien Schwellenländer
Aktien Eurozone Aktien Global
Aktien Deutschland  
Obligationen CHF Global Ausgewogen
Obligationen EUR Rohstoffe
Obligationen USD  
Obligationen Schwellenländer  

Wichtige rechtliche Hinweise:

Diese Publikation dient ausschliesslich zu Informations- und Marketingzwecken und ist nicht auf die Herbeiführung eines Vertragsschlusses gerichtet, sondern enthält lediglich Markt- und Anlagekommentare von Maerki Baumann & Co. AG sowie eine Einschätzung zu ausgewählten Finanzinstrumenten. Somit stellt diese Publikation keine Anlageberatung oder individuell-konkrete Anlageempfehlung sowie kein Angebot für den Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten dar. Maerki Baumann & Co. AG erbringt keine Rechts- oder Steuerberatung. Im Weiteren übernimmt Maerki Baumann & Co. AG keinerlei Haftung für den Inhalt dieses Dokuments und haftet insbesondere nicht für Verluste oder Schäden irgendwelcher Art, einschliesslich direkte, indirekte oder Folgeschäden, die aufgrund von in diesem Dokument enthaltenen Informationen und/oder infolge der den Finanzmärkten inhärenten Risiken entstehen können.

Redaktionsschluss: 21. April 2021

Maerki Baumann & Co. AG
Dreikönigstrasse 6, CH-8002 Zürich
T +41 44 286 25 25, info@maerki-baumann.ch
www.maerki-baumann.ch

top