Pragmatischer Realismus statt euphorischer Optimismus?

Anlagepolitik, Februar 2021

Pragmatischer Realismus statt euphorischer Optimismus?

Die Finanzmärkte sind wie meist zu Jahresbeginn ähnlich wie der Analystenkonsens sehr optimistisch. Anlass zu Pessimismus sehen wir zwar nicht, doch angesichts der Corona-Ausbreitung ist sicher kein Platz für Euphorie. Vielmehr ist pragmatischer Realismus angebracht und daher eine diversifizierte Aufteilung der Anlageklassen sinnvoll. Der demokratische Sieg bei den Senatsnachwahlen in Georgia macht die partielle Umsetzung der Klimaschutzpläne von Joe Biden wahrscheinlicher und spricht für Nachhaltigkeit als Anlageform, daher auch für unser Akzentmodul «Aktien Global Impact».

Die von der demokratischen Partei zurückgewonnenen zwei US-Senatssitze in Georgia führen dazu, dass dank Stichentscheid von Vizepräsidentin Harris im Senat demokratische Anliegen – z. B. höhere Corona-Hilfen für US-Bürger oder mehr Klimaschutz – bessere Chancen auf eine parlamentarische Mehrheit bekommen. Der Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen zeigt, dass der Markt nun eher die Aussicht auf mehr Konjunkturstimulierung und dadurch später etwas mehr Inflation als höher ansieht als vor der Georgia-Wahl. Staatsanleihen werden verwundbarer.

Aktien
Die Aktienmärkte werden 2021 von zwei Faktoren dominiert; einer wirkt positiv, der andere weniger positiv. Die angestiegene Bewertung – sei es im Kurs-/Gewinn- oder Kurs-/Substanzwert-Verhältnis – macht Aktien wieder anfälliger auf negative Nachrichten. Diese können sich aus der weiteren Corona- oder der Zinsentwicklung ergeben. Der positive Faktor stellt das Umsatz- und Gewinnwachstum dar. Aufgrund der im ersten und zweiten Quartal sehr tiefen Basis des Jahres 2020 ergibt sich eine sehr positive Veränderung der Ergebnisse verglichen mit dem schlechten Vorjahr. Diese Veränderung dürfte wohl bei konjunkturabhängigen Sektoren markanter ausfallen als bei weniger konjunktursensitiven Sektoren, weshalb der Marktkonsens derzeit auf zyklische Branchen setzt.  Klar ist, dass die Corona-Ausbreitung für die Präferenz von zyklischen oder defensiven Branchen entscheidend sein kann. Da die Corona-Pandemie aber unberechenbar bleibt, ist eine ausgewogene Anlageaufteilung bzw. ein Mix aus gut positionierten Unternehmen sowohl von mehr als auch weniger von der Konjunkturentwicklung abhängigen Branchen angezeigt.

Staatsanleihen könnten bei einer noch stärkeren Konjunkturstimulierung gegenüber Aktien nachgeben.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer 

Obligationen
Im vergangenen Jahr spielten Anleihen einmal mehr ihre schon oft totgesagte, aber historisch wichtige Rolle als Diversifikationselement gegen Aktienturbulenzen, besonders im ersten und zweiten Quartal. Im dritten und vierten Quartal zeigte sich die Stärke der Unternehmensobligationen, welche wir klar favorisierten, eindrücklich. Inzwischen haben sich die Zusatzrenditen gegenüber Regierungsobligationen weiter reduziert. Dies begrenzt ihr Kurspotenzial, doch für Unternehmensobligationen positiv könnte sich 2021 die Verbesserung der Firmengeschäftslage auswirken. Bei Staatsanleihen ist die gestiegene Verschuldung belastend. Jedoch sind die Kaufprogramme der wichtigen Zentralbanken stützend. Wir gehen davon aus, dass die Anleihen der Eurozone 2021 weniger von höheren Renditen geprägt sein werden als jene in US-Dollar, da die Inflation in Europa weiter auf tieferem Niveau ist. Vor einem Anstieg der US-Renditen könnte es zu einer grösseren Emissionsflut kommen, um von den historisch niedrigen Refinanzierungszinsen zu profitieren. Dies könnte zu einer Belastungsprobe führen und einem Test, wie viel vom steigenden Angebot die Zentralbanknachfrage absorbieren kann.

Währungen
Der US-Dollar hat in den vergangenen Monaten Schwäche gezeigt. Der Grund liegt im Rückgang der US-Realzinsen relativ zu anderen Ländern, was sowohl dem Gold wie anderen Sachwerten wie z. B. Aktien Auftrieb verlieh. Das Aufwärtspotenzial des Euro ist aus fundamentaler Sicht dann vorhanden, wenn die relative konjunkturelle Stärke der Eurozone gegenüber den USA zunimmt. Aufgrund der tieferen Ausgangsbasis der Wirtschaftsaktivität von 2020 könnte die Eurozone im Wachstum mehr als die USA überraschen, doch die Corona-Ausbreitung könnte auch zu Gewinnmitnahmen im Euro führen. Insgesamt sind wir daher in den Währungen neutral aufgestellt.

Rohstoffe
Rohöl, der mit Abstand wichtigste Rohstoff, ist mit Herausforderungen konfrontiert. Die Ölpreise bleiben klar unter den Vor-Corona-Niveaus, denn neue Mobilitätseinschränkungen und die Wiederaufnahme der libyschen Ölproduktion belasten. Daher ist damit zu rechnen, dass die OPEC und Russland ihre Produktion weiter begrenzen, um die globale Angebotssituation nicht noch mehr zu verschlechtern. Die Ölpreissteigerungen der ersten Wochen von 2021 stehen im Zusammenhang mit der nicht erwarteten Produktionskürzung von Saudi-Arabien. Längerfristig könnte die globale Ölnachfrage von einer stärkeren chinesischen Industrieproduktion und dem Ausrollen der Impfstoffe gegen Corona profitieren, falls sich die an sie geknüpften Erwartungen auch erfüllen. Für die nächste Zeit kann von einer volatilen Handelsbreite mit Schwankungen von rund 10 % gerechnet werden. Gold hat 2020 seine Rolle als sicheren Hafen gezeigt und wird in den nächsten Monaten wichtig bleiben. Da es aber auch ein Rohstoff ist, wird seine Entwicklung von mehr Schwankungen als bei Anleihen geprägt sein. Im laufenden Jahr könnte die Juweliernachfrage aus China, welche vor einem Jahr zurückging, wieder ansteigen und dem gelben Metall im Jahresverlauf Auftrieb geben.

Fazit: Kurzfristig werden die Wirtschaftsdaten aus vielen Ländern wieder mehr von der Corona-Ausbreitung geprägt sein, d. h. es dürften auch wieder schwächere Konjunkturdaten auf die jüngst stärkeren Daten folgen. Das Auf und Ab von guten und weniger guten Wirtschaftsmeldungen könnte bis zum Frühjahr andauern und den Finanzmärkten neue Volatilität bringen. Der Markt schaut wie oft zu Jahresbeginn weit ins neue Jahr hinein und hofft, dass Impfstoffe und eine aufgestaute Konsumnachfrage viel Optimismus rechtfertigt. Vorsichtiger Optimismus bzw. Realismus ist aber vernünftiger als Euphorie, denn das Anlagejahr hat erst begonnen.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Redaktionsschluss: 21. Januar 2021

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