Marktkommentar, Januar / Februar 2026

Eine Chance für Deutschland

Marktkommentar, Januar / Februar 2026

Eine Chance für Deutschland

Das vergangene Jahr war nicht nur von der sehr starken Rallye amerikanischer Technologieaktien geprägt, sondern auch von der allgemein nicht erwarteten Stärke von Aktien der Eurozone, insbesondere in Deutschland. Diese steht vor allem in Zusammenhang mit der im Markt gestiegenen Hoffnung, dass sich die 2025 gegenüber den Vorjahren zuerst stabilisierte Wirtschaft Deutschlands in Zukunft, also 2026/27, mit einem deutlicheren Aufschwung weiter verbessern wird. Dies würde der Eurozone insgesamt und auch der Schweiz zugutekommen. Das 2025 beschlossene Massnahmenpaket der deutschen Regierung birgt tatsächlich eine seit vielen Jahren nicht mehr gesehene Chance für Deutschland, ein stärkeres Wirtschaftswachstum zu erzielen. Vorschusslorbeeren haben die Finanzmärkte allerdings bereits zu einem guten Teil verteilt, wie der stärkere Euro zum US-Dollar und die erwähnte Performance von Eurozone-Aktien von 2025 besonders in Deutschland zeigen. Wie oft steckt nun der Teufel, wie man sagt, im Detail. Das bedeutet, dass es jetzt auf die genaue Umsetzung der fiskalischen Konjunkturstimulierung ankommt, damit die Firmengewinne auch klar profitieren können, und darauf, ob weitere Reformschritte folgen. 

Nach vielen Jahren einer klaren Unterperformance gegenüber amerikanischen Aktien vermochten Aktien der Eurozone, vor allem in Deutschland, 2025 endlich in der relativen Rangliste einiges aufzuholen. Der Auslöser waren die im ersten Quartal 2025 annoncierten Pläne der Regierung Merz, die Schuldenbremse zu lockern und durch Infrastrukturinvestitionen und Verteidigungsausgaben die Konjunktur anzukurbeln. Zusammen mit den auch von anderen Staaten der Europäischen Union geplanten höheren Militärausgaben stellt diese fiskalische Wirtschaftsstimulierung eine klare Chance für Deutschland punkto mehr Wachstum dar.

Die deutsche Regierung plant neue Ausgaben zur Verbesserung der Infrastruktur im Umfang von 500 Mrd. Euro über zwölf Jahre und hat die konstitutionelle Schuldenbremse angepasst, um Raum für klar höhere Militärausgaben zu schaffen. Letztere könnten innert fünf Jahren von 2 % auf etwa 3,5 % des Bruttoinlandproduktes ansteigen. Zusammen mit den Investitionen in verbesserte Infrastruktur könnte der Konjunkturimpuls für Deutschland rund 0,5 % bis 0,8 % für 2026 im Bruttoinlandprodukt ausmachen.

Diese Stimulierungspläne scheinen auch angebracht, da Deutschland bekanntlich strukturell vom Welthandel stärker abhängig ist als andere Länder. Damit ist die deutsche Konjunktur auch punkto Zollerhöhungen oder Fabrikationsprobleme verwundbarer als andere Volkswirtschaften. Zudem hat sich China von einer beliebten Exportdestination, besonders für die deutsche Autoproduktion, in eine wenig geliebte direkte Konkurrenz verwandelt, die immer mehr Marktanteil vor allem bei Elektroautos gewinnt.

Die massiven Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben stellen eine klare Konjunkturstimulierung dar.

Gérard Piasko, Chefökonom

Allerdings sind drei weitere Faktoren zu beachten. Zum einen braucht Deutschland neben der willkommenen Fiskalstimulierung über Infrastruktur- und Militärausgaben auch eine Deregulierung bei den staatlichen Vorschriften, um Firmen ihre geschäftliche Tätigkeit zu erleichtern. Dazu würde eine Reduzierung der generellen Steuerbelastung für Unternehmen gut passen, ähnlich wie es die US-Regierung in ihren Steuergesetzen von 2017 und von 2025 vorgemacht hat. Zum anderen ist es dringend notwendig, auch das allgemeine Bildungs- bzw. Erziehungsniveau zu verbessern. Dieses hat nach OECD-Studien zwar von 2000 bis 2015 zugelegt, sich aber seit 2015 wieder drastisch verschlechtert, wohl auch in Zusammenhang mit verfehlten Prioritäten während der Amtszeit von Bundeskanzlerin Merkel. Zum Dritten braucht Deutschland wie die Europäische Union generell eine stärkere Fokussierung auf Investitionen in zukunftsträchtige Technologien. Im Vergleich mit den in den USA jährlich geplanten 400 bis 500 Mrd. US-Dollar Investitionen in künstliche Intelligenz, welche die Produktivität einer Volkswirtschaft deutlich verbessern helfen, scheinen die von Deutschland und Frankreich zusammen genannten 150 bis 200 Mrd. Euro zu wenig. Die Gefahr besteht, schlicht bei neuen Technologien den Anschluss an die Vorreiter USA und China zu verlieren. Übrigens würde eine Reduktion der in Deutschland und der EU im Vergleich zu den USA viel zu hohen Energiepreise, besonders bei Elektrizität, beim Thema Technologierückstand ebenfalls helfen. Das bedeutet insgesamt, dass wohl noch weitere Reformen nötig sein werden, um die Konjunktur und die Unternehmensgewinne auch über eine längere Zeit hinweg zu stimulieren.

Wie die jetzt bestehende Chance für Deutschland wahrgenommen wird, hängt aber natürlich auch davon ab, wie die Umsetzung der bisher beschlossenen Fiskalreformen im Detail aussieht. Hier wird sich zeigen, ob die Hoffnung der Finanzmärkte punkto Eurozone und Deutschland berechtigt ist und ob sie weiter ausgebaut werden kann. 

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko ist Chefökonom und Mitglied des Anlageausschusses bei Maerki Baumann & Co. AG. 

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Redaktionsschluss: 12. Januar 2026

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