Corona-Krise – schon vorüber?

Anlagepolitik, Mai 2020

Corona-Krise – schon vorüber?

Global haben die Regierungen die Virusausbreitung unterschätzt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt, die Krise könnte wirtschaftlich schlimmer sein als die Finanzkrise 2008/2009. Für Anleger ist sehr wichtig, mit defensiven Anlagen diversifiziert zu sein. Dazu gehört eine Übergewichtung von Aktien mit unterdurchschnittlichem Beta bzw. Marktsensitivität von Qualitätsanleihen und die Übergewichtung von Gold gegenüber konjunktursensitiven Rohstoffen. 

Die Corona-Krise ist in erster Linie eine globale Gesundheitskrise. Das bedeutet, wenn die Gesundheit der jeweiligen Bevölkerung einer Nation weniger gefährdet ist, kann sich die Rezession und damit die negative Wirkung auf die Finanzmärkte wieder abschwächen. Oder sie verstärkt sich in einer zweiten oder dritten Welle, wenn die Gesundheitsgefährdung, nicht drastisch eingedämmt wird. Priorität muss die Gesundheit der Wirtschaftsakteure, also der Bevölkerung haben. Dies auch, weil neueste Studien des Fed und der US-Zentralbank über die Wirtschaftswirkungen der Spanischen Grippe 1918-1920 gezeigt haben, dass sich im mehrjährigen Vergleich diejenigen US-Bundesstaaten und Gemeinden wirtschaftlich am besten entwickelten, welche die drastischsten Eindämmungsmassnahmen unternahmen (Studie: Federal Reserve of New York: «Pandemics Depress The Economy, Public Health Interventions Do Not», März 2020). Niemand kann genau wissen, wie lange die Gesundheitsgefahr und Wirtschaftsabschwächung andauert, weshalb man vielleicht lieber auf der vorsichtigen Seite sein sollte.

Aktien
Die Dauer der Gesundheitsgefährdung ist der entscheidende Faktor für das Ausmass der Wirtschaftsabschwächung. Sie wurde bisher klar unterschätzt (am meisten wohl in den USA), sodass die Regierungen grosse finanzielle Hilfspakete für die Bevölkerung und die Unternehmen beschlossen. Der IWF warnte, dass diese Krise grösser sein könnte als die Finanzkrise 2008/2009. Damals erfolgte die Aktienkorrektur, wie übrigens auch in vorhergehenden grösseren Krisen, in mehreren Wellen und nicht nur in einer kurzen Abwärtsphase. Positiv hingegen ist die diesmal raschere Reaktion der Zentralbanken zu erwähnen. Die Finanzmärkte haben eine leichte Rezession mehrheitlich in die Preise eingebaut, jedoch nicht eine starke oder länger andauernde. Wir gehen davon aus, dass die Unsicherheit über die Virusgefahr noch längere Zeit andauern wird. Wem Sicherheit vor Rendite geht, bleibt deshalb vorsichtig und fokussiert auf eine defensive Orientierung. Wir bleiben daher zurzeit generell bei Anlagen und auch speziell in der Aktienpositionierung beim Grundsatz «Sicherheit vor Rendite» mit defensiven Firmen, die stabile Geschäftsmodelle und Einnahmen sowie eine geringe Verschuldung aufweisen. 

Krisen wie 1987 und 2008/2009 zeigen, dass Gold eine defensive Diversifikation gegenüber Aktienanlagen sein kann.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer 

Obligationen
Die Europäische Zentralbank hat eine massive Erhöhung der quantitativen monetären Lockerung, also Käufe von Anleihen, beschlossen. Dieses «Quantitative Easing» oder QE, das im April begann, wird gegen oben unbegrenzt sein - gemäss der Europäischen Zentralbank «so viel wie nötig». Gleichzeitig wurde von der EZB beschlossen, bei diesem Anleihenkaufprogramm besonders Unternehmensobligationen zu unterstützen. Auch die amerikanische Zentralbank hat nun ihr Obligationenkaufprogramm nochmals erhöht ‒ noch wesentlich stärker als in der Finanzkrise 2008/2009. Dies auch, um die wegen des US-Hilfspakets für die Bevölkerung stark ansteigende Staatsverschuldung finanzieren zu können. Dieses Kaufprogramm der US-Zentralbank umfasst in erster Linie Staatsanleihen und ist in der Höhe unbegrenzt. Doch zum ersten Mal in der Geschichte der amerikanischen Zentralbank wurde auch beschlossen, Unternehmensobligationen von «Investment Grade»-Qualität zu kaufen, um die deutlich gestiegenen Finanzierungskosten der amerikanischen Unternehmen zu senken. Dieses neue und im Umfang enorm starke «Quantitative Easing» wird auch von der Europäischen Zentralbank mit einem besonders klaren Fokus auf Unternehmensanleihen begonnen. Daher bleiben wir bei der Übergewichtung von qualitativ höherwertigen Anleihen.

Währungen
Viele globale Unternehmen sehen derzeit kaum Einnahmen, aber viele Zahlungsverpflichtungen. Da diese im internationalen Handel meist in amerikanischen Dollar abgewickelt werden (die USA sind nach wie vor die grösste Volkswirtschaft), fehlt es vielen Firmen an US-Dollar-Liquidität, um den Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. So werden andere Währungen in US-Dollar getauscht, um die Zahlungen in US-Dollar begleichen zu können. Somit bleibt der US-Dollar knapp. Daher hat die amerikanische Zentralbank zusammen mit anderen Zentralbanken mit sogenannten Swap-Linien versucht, die kurzfristige Liquidität zu verbessern. Dies ist nur teilweise gelungen, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass die globale Nachfrage nach US-Dollar, besonders auch aus den hoch in US-Dollar verschuldeten Schwellenländern, in naher Zukunft überdurchschnittlich bleiben wird. Daher ist es sinnvoll, den US-Dollar gegenüber konjunkturabhängigen Währungen wie jene der Schwellenländer oder auch den Euro zu favorisieren. 

Rohstoffe
Da der Anteil der ölabhängigen Energierohstoffe an den Rohstoffen insgesamt sehr hoch ist, bleiben Rohstoffe derzeit besonders volatil. Die gegenwärtige Wirtschaftsabschwächung belastet zusätzlich die von der Konjunktur besonders abhängigen Industriemetalle. Der Ölpreis ist so volatil wie kaum zuvor. Entscheidend wird für das Rohöl der Ausgang des Streits zwischen Saudi-Arabien und Russland um Marktanteile. Doch der Einbruch der globalen Ölnachfrage aus konjunkturellen Gründen ist genauso bedeutend. Daher ziehen wir Gold gegenüber anderen, konjunkturabhängigen Rohstoffen klar vor. Zudem zeigen die Erfahrungen der Krisen von 1987 und 2008, dass Gold eine interessante defensive Diversifikation in einem Portfolio verschiedener Anlageklassen sein kann.
 

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Diese Publikation dient ausschliesslich zu Informations- und Marketingzwecken und ist nicht auf die Herbeiführung eines Vertragsschlusses gerichtet, sondern enthält lediglich Markt- und Anlagekommentare von Maerki Baumann & Co. AG sowie eine Einschätzung zu ausgewählten Finanzinstrumenten. Somit stellt diese Publikation keine Anlageberatung oder individuell-konkrete Anlageempfehlung sowie kein Angebot für den Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten dar. Maerki Baumann & Co. AG erbringt keine Rechts- oder Steuerberatung. Im Weiteren übernimmt Maerki Baumann & Co. AG keinerlei Haftung für den Inhalt dieses Dokuments und haftet insbesondere nicht für Verluste oder Schäden irgendwelcher Art, einschliesslich direkte, indirekte oder Folgeschäden, die aufgrund von in diesem Dokument enthaltenen Informationen und/oder infolge der den Finanzmärkten inhärenten Risiken entstehen können.

Redaktionsschluss: 14. April 2020

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