Die Zinsen steigen, das Geld wird teurer

Anlagepolitik, Juni 2022

Die Zinsen steigen, das Geld wird teurer

Die US-Zentralbank Fed hält an ihrem restriktiven Kurs fest und hat ihn jüngst durch die deutliche Zinserhöhung von 0,50 % sogar verschärft. Damit zeigt sie, dass ihr die Bekämpfung der Inflation wichtiger ist als die konjunkturelle Stabilität. Sie nimmt somit eine konjunkturelle Abschwächung in Kauf, weil sie den US-Arbeitsmarkt derzeit als solide einschätzt. China schwächt sich nicht nur wegen der Corona-Bekämpfung ab, während die Sanktionen aufgrund des Ukraine-Konflikts und die Lieferengpässe die europäische Konjunktur reduzieren. Daher favorisieren wir weiter defensive Anlagen mit Qualitätseigenschaften wie stabile Profitabilität sowie Substanzwerte mit unterdurchschnittlicher Bewertung. Wir bleiben Aktien untergewichtet, aber Schweizer Aktien innerhalb der Länder und Regionen übergewichtet.

Die Weltwirtschaft zeigt zunehmende Anzeichen einer klaren Wachstumsabschwächung. In den USA kündigt sich dies z. B. mit einer sinkenden Konsumentenstimmung an. Oder mit der Verschlechterung des Finanzumfeldes der Unternehmen, ausgelöst durch den Anstieg der Refinanzierungszinsen für Unternehmen. In China führt die mangelnde Wirksamkeit der chinesischen Impfstoffe gegen Omikron zu einer länger als vom Markt erwarteten Fortführung harter Corona-Restriktionen. Das belastet die Wirtschaft der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt. Indirekt beeinträchtigt dies aber auch die Aussichten vieler globaler Unternehmen, welche von in China produzierten Zulieferkomponenten abhängig sind oder dort einen wichtigen Teil ihrer Kunden haben. Analog zu den Lieferproblemen aus China steigen die globalen Inflationsrisiken weiter, nicht nur für die Gesamtinflation, sondern auch für die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel. In der Eurozone ist diese Kerninflation nun dreimal so hoch wie im langjährigen Durchschnitt. Das spricht inzwischen für Zinserhöhungen in der Eurozone noch in diesem Jahr.

Aktien

Die globalen Aktienmärkte sind – wie in unserem Ausblick vom 1. Februar 2022 dargelegt (Schlusssatz: «fasten your seat belts – bitte anschnallen») – einem schwierigen Umfeld ausgesetzt. Teurere oder zu wenig verfügbare Lieferkomponenten wie auch steigende Lohn-, Rohstoff- und Transportkosten bedrohen historisch hohe Gewinnmargen. Zusätzlich steigen besonders in den USA die Refinanzierungskosten analog zu den höheren Marktzinsen. Dort haben sich diese, gemessen an den Renditen von Unternehmensanleihen, seit letztem November sogar verdoppelt. Steigende globale Inflationsraten führen zu einer aggressiveren Ausrichtung der Zentralbanken, wie die starke Leitzinserhöhung um 0,50 % durch die US-Zentralbank Fed zeigt. Wie schon in früheren Zyklen gesehen, führen steigende Inflation und höhere Zinsen zu sinkenden Bewertungen. Daher wird es jetzt besonders wichtig, was die globalen Unternehmen, vor allem in den USA, zu ihrem Geschäftsgang kommunizieren. Aufgrund der in den USA besonders hohen Inflation und wegen der in der Eurozone höheren Konjunkturabschwächungsgefahr bevorzugen wir weiterhin den schweizerischen Aktienmarkt. Schwellenländeraktien leiden derzeit unter der deutlicher als erwarteten Wirtschaftsabschwächung Chinas.

Wir bleiben derzeit Aktien untergewichtet, aber Schweizer Aktien innerhalb der Länder und Regionen übergewichtet.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer


Obligationen

Der Anstieg der Marktzinsen bzw. Obligationenrenditen ist jüngst im historischen Vergleich überaus rasant erfolgt: Die deutschen Anleihensrenditen sind seit dem vierten Quartal um rund 1,5 % angestiegen, in der Schweiz etwas weniger. In einigen Ländern der Eurozone wie Italien noch mehr, was für die Wirtschaftsentwicklung der Eurozone insgesamt nicht hilfreich ist. In den USA hat die Fed die Leitzinsen um 0,50 % erhöht, also so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr und begründet durch die historisch hohe Inflation. Da die Fed ab Juni zudem die Zentralbankbilanz verkleinern will, ist mit weniger Nachfrage nach Staatsanleihen zu rechnen. Die Europäische Zentralbank (EZB) reduziert ihre Anleihenskäufe im Sommer und damit ebenfalls die Nachfrage nach Obligationen. Daher bleiben wir Anleihen taktisch weiterhin untergewichtet. Eine im langjährigen Vergleich viel zu hohe Kerninflation sorgt zurzeit zusammen mit einer geringeren Nachfrage durch die Zentralbanken für niedrigere Kurse von Regierungsobligationen. Bei Unternehmensanleihen bevorzugen wir aufgrund der geringeren Konjunktursensitivität «Investment Grade» gegenüber «High Yield».

Währungen

Der US-Dollar befindet sich gegenwärtig aus zwei Gründen in einer Phase der Stärke: Zum einen ist die Fed aggressiver bzw. restriktiver in der Ausrichtung ihrer Geldpolitik. Zum anderen hat sich die Zinsdifferenz dieses Jahr bisher klar zugunsten des US-Dollars verschoben, da die EZB die Zinsen noch nicht erhöht hat. Die US-Zinsen sind insgesamt im Vergleich zu den Zinsen vieler Länder angestiegen, was den US-Dollar gegenüber dem Euro, dem Schweizer Franken und dem japanischen Yen gestärkt hat. Gegenüber dem Schweizer Franken ist der US-Dollar von den tieferen Niveaus von 2021/2020 wieder zurück zu der Zone um die Parität (also nahe 1,00) von 2019/2018 gelangt. Das Verhältnis des Schweizer Frankens zum Euro könnte vom weiteren Verlauf des Ukraine-Konflikts beeinflusst werden. Eine Eskalation würde den Franken wohl stärken. Jedoch könnten Äusserungen der EZB, welche auf Zinserhöhungen in der Eurozone schon im Sommer deuten, den Euro wieder etwas stabilisieren.

Rohstoffe

Der überraschend deutliche Ausbruch der Omikron-Variante in China hat die chinesische Regierung wegen der wenig wirkungsvollen Impfstoffe, die sie zur Verfügung hat, zu strikteren Corona-Massnahmen gezwungen. Diese schwächen das Wirtschaftswachstum deutlich. Weil China in verschiedenen Industriemetallen ein Hauptabnehmer ist, reduziert sich daher derzeit die kurzfristige Nachfrage besonders bei Kupfer. Damit kommt es zur nicht sehr häufigen Konstellation, dass Energierohstoffe nach oben tendieren, während Metalle eine Korrektur zeigen. Langfristig könnten sich diese Industriemetalle erholen, sobald die globale Nachfrage wieder zunimmt.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als Chief Investment Officer das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre Chief Investment Officer bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Redaktionsschluss: 18. Mai 2022

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