Weniger globales Wirtschaftswachstum würde Schweizer Aktien unterstützen

Anlagepolitik, Dezember 2021

Weniger globales Wirtschaftswachstum würde Schweizer Aktien unterstützen

Die Änderung der US-Geldpolitik wurde von den Märkten gut aufgenommen. Für höhere Volatilität könnte in den kommenden Wochen und Monaten jedoch ein weniger dynamisches Wirtschaftswachstum sorgen. Als Hauptrisiken hierfür sind zurzeit die sich abkühlende chinesische Konjunktur, eventuelle Corona-Komplikationen sowie von Lieferproblemen oder hohen Energiepreisen angetriebene Inflationserwartungen auszumachen. Das derzeitige Gewinnwachstum hat die Aktienmärkte bisher allerdings gut gestützt.

Die US-Zentralbank (Fed) hat den erwarteten Kurswechsel vollzogen und beginnt, die Liquidität für Märkte und Wirtschaft über eine Reduktion des «Quantitative Easing» (QE) herunterzufahren. Ab November werden jeden Monat USD 15 Mrd. weniger Anleihen gekauft. Die Fed begründet den Kurswechsel mit der verbesserten ökonomischen Situation im Vergleich zur Corona-Krise, speziell einer günstigeren Arbeitsmarktentwicklung. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass es keinen Automatismus bzw. Autopiloten für die Reduktion der Liquidität gebe, sollte sich der Wirtschaftsausblick ändern. Betreffend Inflationsentwicklung geht die Fed weiter davon aus, dass sie zwar höher als erwartet sei, doch dies vorübergehen werde. Unterdessen zeigen sich global gemischte Konjunkturdaten, die fast überall von Lieferkettenproblemen geprägt sind. Diese dürften in den nächsten Wochen, eventuell Monaten, sowohl die Inflation als auch das Wirtschaftswachstum beeinflussen. Wo es möglich ist, werden dabei höhere Komponentenpreise der Zulieferer an die Konsumenten weitergegeben – was die Inflation höher als im langjährigen Durchschnitt hält. Das Wirtschaftswachstum könnte hingegen durch Lieferprobleme oder höhere Preise mittelfristig – sprich im 2022 – reduziert werden: einerseits durch eine gebremste Produktion, andererseits eventuell durch eine wegen Preiserhöhungen wieder zurückgehende Nachfrage.

Aktien

Die Aktienmärkte haben bisher auf die Liquiditätsreduktion, welche die Fed annonciert hat, gelassen reagiert. Der Grund liegt zum einen daran, dass die Liquiditätsreduktion bisher gering ist und lange angekündigt wurde im Gegensatz zu 2013. Zum anderen gaben sowohl in den USA wie in Europa die Quartalsresultate ein beruhigendes Bild ab. Die US-Firmen zeigten zwar weniger starkes Gewinnwachstum als vorher, aber mehr als von den Analysten erwartet worden war. Auch die Anzahl der europäischen Unternehmen, welche die Gewinnerwartungen übertrafen, lag wieder über dem historischen Durchschnitt. Allerdings war das Ausmass der Gewinnüberraschung weniger hoch als in den vorangegangenen Quartalen. Unter anderem zeigten besonders die defensiven Branchen Pharma/Gesundheitswesen und stabiler Konsum sowie der Finanzsektor mehrheitlich positive Resultate. Dies dürfte unserer Übergewichtung europäischer, gerade auch schweizerischer Aktien mittelfristig entgegenkommen. Angesichts von Lieferproblemen und einem sich abzeichnenden reduzierten Wirtschaftswachstum in den kommenden Quartalen wird der Preissetzungsmacht und der Gewinnstabilität auch in konjunkturell volatileren Zeiten eine wichtigere Rolle zukommen.

Die Änderung der US-Geldpolitik wurde von den Märkten bisher gut aufgenommen.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer


Obligationen

Die Fed beginnt die bereits vorangekündigte Reduktion der sogenannten quantitativen geldpolitischen Lockerung. Ab November werden die amerikanischen Anleihenskäufe jeden Monat um USD 10 Mrd. Regierungsobligationen und USD 5 Mrd. hypothekenbesicherte Anleihen reduziert. Der Obligationenmarkt verarbeitete ähnlich wie der Aktienmarkt diese Liquiditätsreduktion bisher gut, denn sie war erwartet worden und erfolgt zudem graduell. Wichtiger für die Obligationenmärkte wird die Entwicklung der Inflation in den nächsten Monaten vor allem in den USA. Die Fed erwartet, dass viele Inflationsfaktoren temporärer Natur sind. Ob dies so eintrifft, hängt sowohl von der weiteren Lohnentwicklung ab als auch von der Dauer der immer noch klar sichtbaren Lieferengpässe, welche bekanntlich zu Preiserhöhungen führen. Insgesamt ergeben sich zwei Folgerungen: Erstens sind Anleihen derzeit gegenüber Aktien weniger zu favorisieren; und zweitens sind Unternehmensanleihen gegenüber Regierungsobligationen interessanter. Dafür spricht die höhere Rendite, die bei «Investment Grade»-Anleihen wohl in einem besseren Verhältnis zum Risiko steht als bei «High Yield»-Anleihen. Zusätzlich spricht die weniger grosse Unterstützung bzw. die künftig reduzierten Käufe von Regierungsobligationen durch die Fed gegen eine Favorisierung von Staatsanleihen.

Währungen

Das wichtigste Währungspaar im globalen Devisenmarkt – Euro gegen US-Dollar – hat in den letzten Monaten eine Gegenbewegung zu den Avancen des ersten Halbjahres gezeigt. Die Euro-Schwäche wird durch die divergierende Zinserwartung zwischen den Regionen begründet. Für die kommenden Quartale geht der Markt von höheren US-Dollar-Zinsen als Euro-Zinsen aus, weil eine Änderung der Leitzinsen von der Fed mehr in Aussicht gestellt wird als von der Europäischen Zentralbank (EZB). Dies macht vor dem Hintergrund der Aussagen in jüngsten Fed-Pressekonferenzen Sinn. Die Euro-Schwäche zum Schweizer Franken verlief parallel zur Schwäche des Euro zum US-Dollar. Bei noch markanteren Euro-Rückgängen zum Schweizer Franken sind wieder stärkere Euro-Käufe der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zu erwarten.

Rohstoffe

Die Organisation erdölproduzierender Staaten und angeschlossene Länder (OPEC+) halten an den bisher angekündigten moderaten Produktionserhöhungen fest – trotz Aufrufe der USA, die Produktion stärker zu erhöhen, um den Amerikanern weniger hohe Benzin- und Heizölpreise zu ermöglichen. Daher werden von den USA nun Verkäufe aus ihren strategischen Ölreserven erwogen, um die westlichen Konsumenten und den Inflationsdruck zu entlasten. Wir gehen daher für die nächsten Monate von einer erhöhten Volatilität in Energierohstoffen und wegen der China-Abhängigkeit auch in Industriemetallen aus. Gold hingegen bleibt trotz Dollar-Sensitivität ein wichtiges Diversifikationselement für geopolitische Risiken, wie wir wieder in den jüngsten Spannungen um Weissrussland und Russland sehen konnten.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als Chief Investment Officer das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre Chief Investment Officer bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Redaktionsschluss: 17. November 2021

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